Mikrokredit-Riese MKS Finance mit Börsengang

Veröffentlicht am: 30. Juli 2010 - No Comments

Das größte indische Mikrokreditinstitut, die SKS Microfinance, geht an die Börse: Zwischen dem 28.07.2010 und dem 30.07.2010 können Investoren rund 22 Prozent der Unternehmensanteile zeichnen.

Dieser Börsengang, von dem die Eigentümer einen Kapitalzufluss von bis zu 350 Mio. USD (EUR 271 Mio) erwarten, wird mit großer Spannung erwartet, r hat doch bisher mit der mexikanischen Banco Compartamos erst ein Mikrofinanzinstitut dieser Größenordnung den Börsengang vollzogen. Firmengründer und Chairman Vikram Akula sieht in der Hereinnahme von Investoren den einzigen Weg, die große Lücke zwischen Kapitalnachfrage und -angebot, die allein in Indien mehr als umgerechnet 51 Milliarden USD betragen soll, zu schließen.

Der ehemalige Mc Kinsey Berater Akula hatte sich mit dem 1998 als Nichtregierungs-Organisation gegründeten Unternehmen weltweit einen Namen als Anwalt der Armen gemacht. Doch zwischenzeitlich hat das Unternehmen die Rechtsform gewechselt und darf gewinnorientiert arbeiten, und Kritiker befürchten, dass auch Akula sich künftig von seinen ethisch-sozialen Ansprüchen entfernen wird und/oder sich unter dem Einfluss der neuen Anteilseigner von seinen Idealen verabschieden muss.

Das bisherige, von dem dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgestatteten Muhammed Yunns in Bangladesch vor dreißig Jahren entwickelte Geschäftsmodell, dass der Inder Akula übernommen hatte, ist ebenso einfach wie erfolgreich: Mit kurzfristigen Kleinkrediten in Höhe von umgerechnet USD 50 bis USD 500 wird Armen der Aufbau einer kleinen Existenz finanziert. Die Kredite werden überwiegend von Frauen in Anspruch genommen, doch als Kreditnehmer für die nicht besicherten Kredite werden Gruppen von jeweils fünf bis zehn Personen verpflichtet. Damit ist die Ausfallquote mit weniger als einem Prozent minimal; mehr als 6,8 Millionen Menschen konnte die SKS Microfinance auf diesem Weg zu einer Minimalexistenz verhelfen.

Beobachter befürchten, dass der ethisch-soziale Ansatz künftig der Gewinnorientierung weichen muss und ein durch profitgetriebene Expansionen überfordertes Qualitätsmanagement zu hohen Ausfällen und einer Kreditblase führen könnte.